Battle Brothers – Das muss Liebe sein

2015 brachte ein Hamburger Entwicklerstudio Battle Brothers als Early Access auf Steam. Nur knapp 7 Jahre später wollte ich es nur mal kurz ausprobieren und ich habe mich verliebt. Diese Mischung aus Rollenspiel und taktischen Rundenkämpfen ist so gut, da vergesse ich sogar rechtzeitig schlafen zu gehen. Ein müder Arbeitstag war der Liebesbeweis und hier versuche ich die Liebe in Worte zu fassen. Aber Vorsicht auch euch könnte es verführen, wenn ihr es spielt.

Was macht es aber so gut? Die Äußerlichkeiten sind es leider nicht. Das Spiel ist kein Dreckklumpen, in dem sich ein Diamant versteckt, aber auch kein Diamant in goldener Fassung. Irgendwo dazwischen findet man Battle Brothers. Seine inneren Werte sind es dann die das Spiel zu etwas ganz Besonderem machen und es dennoch strahlen lassen.

Battle Brothers Herz schlägt vor allem in den Kämpfen

Das Spiel beginnt mit dem Tutorial Kampf und zeigt damit sofort seine Stärke. Die Kämpfe laufen in Runden ab und jeder Charakter hat Aktionspunkte, die er für Bewegung oder den Kampf ausgeben kann. Was simpel klingt bringt Battle Brothers aber auf ein ganz hohes Niveau. Wo andere Spiele nur Angriffs und Rüstungswert gegeneinander aufrechnen, fließen hier etliche Punkte ein. 

Die Kampfreihen treffen aufeinander.

Es beginnt bei der Aufstellung. Bogenschützen und Stabwaffen kommen in die zweite Reihe, denn hier können sie ihre Stärke ausspielen und über die Schultern der ersten Reihe zuschlagen. Die Schützen setzen anrückenden Gegnern schon früh zu und während die erste Reihe Angriffe mit ihren Schilden abwehrt, schlägt die zweite Reihe zusätzlich mit Speeren zu. Ein Kampf entsteht, indem Kleinigkeiten den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen können.

Schafft es eine Seite durchzubrechen und die generische Reihe von Seiten oder hinten anzugreifen, dann kann ein Kampf schnell entschieden sein und die Feinde in Panik geraten. Hat eine Seite den höhenvorteil und schlägt von oben auf angreifende Gegner ein, dann werden viele Angreifer verdammt hart einstecken müssen. So gibt es immer wieder Situation die zu Vor- und Nachteilen führen können.

Gesundheit und Moral

Wenn die Truppen im Kampf schaden nehmen, dann sinkt nicht nur eine Gesundheitsleiste, sondern sie können auch an verschiedenen Körperteilen verletzt werden und ja sie können auch bluten. Wer kann noch gut zuschlagen, wenn der Arm dezent zerfetzt wurde? Es gibt auch Angriffe, die gezielt Gegner verletzen sollen, um sie zu schwächen. Einer meiner Leute hatte sogar mal einen Malus, da ihm nach einem Kampf Finger fehlten.

Das sorgt nicht nur für äußerliche Wunden, sondern die meisten brauchen nach einem Kampf auch eine Therapie. Wird ein Kämpfer von mehreren Seiten angegriffen kann es schnell gehen und seine Moral sinkt schneller als die unsinkbare Titanic. Das hängt dann aber auch von seinen Charakterwerten ab.

Bricht die Moral der letzten Gegner ein, dann geraten sie auch mal in Panik und nehmen die Beine in die Hand. Dem Feind bei der Flucht den Rücken zuzudrehen, sollte aber immer vermieden werden, denn da kommen wieder Schützen ins Spiel. Als Bonus gibt es da noch die Kampfhunde, die gerne mal losgelassen werden. Für die Moral der flüchtenden dann kein Problem mehr, allerdings für ihr Überleben schon.

Nach dem Kampf erhält man eine Auswertung mit den wichtigsten Werten.

Battle Brothers machen ohne Nachschub nichts

Nach dem Kampf zeigt sich der wirkliche Umfang von Battle Brothers. Eine Welt die zufällig generiert wurde, und sich teils dynamisch verändert. Bevor wir uns aber auf den Weg machen können, müssen wir noch die getöteten Feinde ausplündern. Geld, Ausrüstung und andere Materialien wandern in unser Inventar. Waffen und Rüstungen müssen erstmal durchgesehen werden, denn das beste behalten wir natürlich für unsere Soldaten.

Mit genug Erfahrungspunkten können wir sie über den Inventarbildschirm nicht nur ausrüsten, sondern auch Hochleveln und mit Fähigkeiten (Perks) verbessern.

Unsere Truppen und ihre Ausrüstung verwalten wir im Inventar.

Es gibt aber noch mehr. Nahrung brauchen wir auch, denn zum Überleben ist Geld ja nett, aber kann keinen vollen Magen ersetzen und Söldner, die kein Essen oder Geld bekommen, sind auch schnell auf der Suche nach neuer Arbeit. Nahrung wird auch mit der Zeit schlecht und verschimmeltes Brot will keiner meiner Söldner mehr. So freue ich mich über alles was ich finde und wenn ich es nicht brauche, dann kann ich es immer noch verkaufen.

Es gibt aber noch mehr was wir brauchen. Die Ausrüstung muss auch noch gewartet und repariert werden. Dafür gibt es Werkzeuge und Material bei Händlern, oder in den Taschen unserer gefallenen Gegner. Um die Wunden zu versorgen, gibt es noch medizinische Güter und unsere Schützen holen sich aus dem munitionsvorrat was sie brauchen. Das alles sind nur die Grundlagen. In der Welt finden wir noch mehr Feinheiten.

Die Spielwelt, eine Welt voller Abenteuer

Wie es sich für Söldner gehört, haben wir keine Heimat. Ungebunden und frei liegt es an unserem Verhalten wie jede Fraktion auf uns reagiert. In der nahgelegenen Stadt treffen wir auf unseren Auftraggeber. Auch wenn der Anführer der Banditen fliehen konnte, so haben wir die Truppe in unserem ersten Kampf doch vernichtend geschlagen. Damit erhalten wir unseren Lohn, etwas Ansehen in der Stadt und auch einen neuen Auftrag. Den Anführer ausschalten, allerdings muss noch sein Aufenthaltsort gefunden werden. Das gibt uns Zeit neue Männer anzuwerben und sie auszurüsten.

In den Städten finden wir je nach größe verschiedene Angebote.

Den Auftrag könnten wir aber auch ablehnen und uns in der Welt nach Arbeit umsehen. Karawanen müssen bewacht, Fracht sicher transportiert, oder Wilde Kreaturen gejagt werden. Das und viele andere Auftragsarten erwarten uns und bieten genug Abwechslung und Möglichkeiten Geld zu verdienen. Außerdem erlangen wir damit Ruhm für unserer Söldnertruppe, was dann auch irgendwann zivile Helfer anlockt, die wir einstellen können und die uns dann Vorteile bringen.

Ich selbst stehe hier noch ganz am Anfang und kratze nur an der Oberfläche, wobei ich euch mal einen Einblick geben wollte. Mit dem Kampf gegen die Banditen lernt man die Grundlagen und ist erstaunlich schnell in der Lage erste Erfolge zu erzielen. Je nach Startbedingungen wird es trotz des gelernten Wissens ein harter Ritt durch eine gnadenlose Mittelalterwelt. Den Weg bis hier her, könnt ihr euch auch nochmal im folgenden Video ansehen.

Overhype Studios und die Entwicklung

Das Hamburger Entwicklerteam Overhype Studios steckt hinter dem Spiel, das am 27. April 2015 das Licht der Welt als Early Access Titel erblickte. 3-4 Leute umfasst das Team, das bei Bedarf noch von freien Mitarbeitern unterstützt wird. Geplant war es nur als Hobbyprojekt und wandelte sich erst mit der Zeit zu dem was wir heute spielen können. Die ersten Pläne für das sahen zu Beginn noch anders aus. Ein Xcom im Mittelalter, in dem Aliens mit Schwertern und allem was mittelalterliche Waffenkammern zu bieten hatten, bekämpft werden.

Aus Aliens wurden mythische Wesen, die Teil der Mittelalterlichen Welt sind und den alten Sagen direkt entsprungen sein könnten. Von all dem erzählte Jan Taaks der Geschäftsführer des Studios in einem Interview mit der Seite turnbasedlovers.com. Auch ihre Probleme beim Wandel zu einem Multiplattformtitel waren Thema. So mussten mit der Zeit alle Assets nochmal überarbeitet oder ausgetauscht werden. Mit dem Umfang wuchsen auch die eigenen Ansprüche. 

Ansprüche, die zu einem guten Spiel wurden, aber auch zu Problemen führten. Mod support, oder das Übersetzen in andere Sprachen außer Englisch konnten nicht umgesetzt werden. Zu teuer und zu aufwendig für das kleine Team. Der Markt für das Spiel ist zum Beispiel in Deutschland zu klein für eine deutsche Version und so ist das Spiel aktuell nur komplett in Englisch verfügbar. Dafür ist es inzwischen nicht nur auf dem PC, sondern auch auf der Playstation 4, Playstation 5, Xbox One, Xbox Series X/S und der Nintendo Switch verfügbar und konnte den Early Access Status hinter sich lassen.

Kleiner Kratzer im Lack

Ich habe es auf der Xbox Series X geholt und auch wenn ich mit der Version an sich zufrieden bin, so hat sie auch ihre Probleme. Die Steuerung ist gut auf den Controller angepasst und sie geht gut von der Hand, aber da ist noch ein Problem, dass mich zeitweise massiv genervt hat. Die Tooltipps waren das Einzige am Spiel was mich auch nach vielen Stunden immer noch nervt. Noch brauche ich sie, um wirklich alles zu verstehen, allerdings lassen sie sich nur komplett einschalten, oder entsprechend komplett ausschalten.

Oft hilfreich, aber trotzdem oft im Weg der Tooltipp

Sie sind nützlich, aber verdecken dabei viel vom Sichtbereich und insbesondere in den Kämpfen nervt es unheimlich, wenn mir angezeigt wird, dass der Cursor gerade über einer Grasfläche ist und ich die Bewegungen des Gegners nicht sehe. Hier vermisse ich eine feinere Einstellmöglichkeit für Tooltipps. Ich würde Anzeigen, die ich schon oft genug gesehen habe gerne gezielt ausschalten. Ein gutes Vorbild ist hier die Civilization Reihe. Dort können die Hilfestellungen in Stufen runtergeregelt werden.

Das ich so etwas kritisiere zeigt aber auch die Qualität die in Battle Brothers steckt. Es hat Schwächen, aber die sind auch nicht ungewöhnlich bei einem Indie Titel. Hier steckt kein Riesenbudget und kein großes Entwicklerteam dahinter, allerdings würde ein solches Team auch niemals solch ein Spiel hervorbringen. Zu speziell und viel zu wenig für den Massenmarkt runtergeschliffen. 

Fazit zu Battle Brothers

Ich bin nur durch Zufall auf Battle Brothers gestoßen und nach dem Tutorial hatte es mich in seinen Bann gezogen. Zu dem Zeitpunkt, an dem ich den Artikel schreibe, habe ich so ungefähr 20 Stunden gespielt und bin noch am Anfang. Mein Söldnertrupp umfasst gerade 12 hochgerüstete Söldner aus der ganzen Welt und ich habe die ersten Aufträge von wichtigen Fraktionsvertretern bekommen. Noch immer entdecke ich neues in der Welt und verstehe immer besser, wie alles ineinandergreift.

Mit der Einschränkung, dass es nur in Englisch ist, empfehle ich es wirklich jedem der das Kampfsystem eines Xcom mag und Lust auf eine Mittelalterwelt mit Fantasy Einflüssen hat. Hier erhält man ein spannendes Spiel für unendliche Stunden durch seine Zufallsgenerierten Teile und die unterschiedlichen Startbedingungen. Die habe ich bewusst nicht alle aufgelistet, da ein Teil des Reizes das Entdecken ist.

Ein Spiel in dem ich nicht in den ersten Stunden schon alles gesehen und verstanden habe, dass erlebe ich besonders im Tripple A Markt selten. Da ist das Indie Spiel aus Hamburg erfrischend anders und zeigt wie spannend ein einfaches Konzept sein kann, wenn es sinnvoll erweitert wird. Hier greifen alle Teile ineinander und ziehen mich immer weiter hinein. Mein Herz haben sie damit gewonnen und das muss Liebe sein.

Quellen

Offizielle Seite des Spiels

Das Spiel auf Steam

Das Interview mit Jan Taaks

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