Cold Silence – Es hätte besonders sein können

Eigentlich sollte hier eine sehr kurze Review zu Cold Silence erscheinen. Es wäre ein Verriss und eine Kaufwarnung für die neu erschienene Playstation 5 Version geworden, aber dann stieß ich auf ein Statement der Entwickler und das warf ein neues Licht auf das Spiel. In der Entwicklung gab es einen Punkt an dem es schief lief und die Entwickler verrieten ihn indirekt.

Die Handlung von Cold Silence 

Wir spielen Hughes, einen Bergsteiger, der sich im verschneiten Gebirge verirrt hat. Vom Wahnsinn bedroht suchen wir Hilfe, um am Leben zu bleiben und nach dem Weg raus aus der weißen Hölle. Überall lauern Gefahren und der Kampf gegen Monster und die Natur ist allgegenwärtig.  Versprochen werden verschiedene Enden, die von unseren Handlungen beeinflusst werden. So weit bin ich im Spiel aber nicht gekommen, als dass ich ausprobieren konnte, wie stark sich meine Handlungen auswirken. Bevor ich auf die Probleme zu sprechen komme, erstmals was zur Welt.

Cold Silence Anfang

Eine Welt in 3 Farben

Der Publisher verspricht eine liebevoll handgemachte Pixelwelt in 3 Farben. Die reduzierte Optik erzeugte ein Gefühl von verloren sein und Gefahr. Leider nur zu Beginn, was dann am Gameplay lag und der schlechten Lesbarkeit der Spielwelt. Ein Plattformer lebt für mich auch immer stark davon durch die Bewegung in einen Flow zu kommen. Wenn der Weg aber nicht klar erkennbar ist und man auch immer durch Fallen ausgebremst wird, dann unterbricht das die Dynamik der Bewegung. Das es auch anders geht, zeigt Cold Silence zu Beginn selbst.

Hat man die Suche nach den ersten Gegenständen erfolgreich beendet, dann taucht das erste Mal ein Monster auf und es gilt die Flucht zu ergreifen. Mit der Gefahr im Nacken springt und rennt man zurück zum Eingang der Höhle. Das Spiel bietet hier zwar auch Irrwege an, die gerne mal in Sackgassen enden, aber der richtige Weg ergibt sich noch gut aus dem Design der Welt. Mir nicht die Macht zu geben die Gefahr bekämpfen zu können und den Druck fliehen zu müssen erzeugte einen gewissen Horror, der in Kombination mit der Spielwelt wirken konnte.

Kaum hat man den Anfang gemeistert, fügen sich immer mehr Elemente in das Design ein und verändern die Art voranzukommen. Elemente, die nur kurzzeitig nach einem Impuls begehbar sind, Steine die nur mit Waffen zerstörbar sind und viele Fallen. Immerhin kommt dann auch Farbe ins Spiel. Tode und schwere Verletzungen sorgen für ein wahres Blutbad und tauchen das unschuldige Weiß in ein sündiges Rot.

Da Passt was nicht

Jetzt zu dem großen Problem des Spiels. Die Entmächtigung des Spielers zu beginn fühlte sich richtig an und erzeugte eine Atmosphäre die schnell verloren geht. Das Problem sind nicht direkt die Waffen, da sie auch zum Öffnen von versperrten Wegen genutzt wird. Auch die schlecht Lesbare Welt wäre nervig, aber noch nicht das endgültige aus. Das Vorankommen ist geprägt von dem ausprobieren der Wege, bis man den richtigen findet, um in der Geschichte voran zu kommen. In Kapitel 4 traf ich dann das erste Mal auf einen Bossgegner.

Der Bosskampf zog sich, da die bisher erlernten Taktiken nicht griffen. Ich kann jetzt aber nicht sagen, ob ich zu früh da war und mir noch eine Fähigkeit fehlte, oder ob ich etwas ganz falsch verstanden habe. Einige Gegner konnte man vorher durch einen Impuls zerstören. Andere mussten dafür erschossen werden. Bei dem Boss schien nichts zu wirken. Für einen zweiten Anlauf fehlte mir danach der Antrieb, da ich auf dem Weg dorthin einmal falsch abbog, was zu einer Begegnung mit einer Bärenfalle und dem Verlust meiner Beine führte. 

Dieser Part passte nicht mehr zu dem Spiel, dass ich nach dem Einstieg erwartet hatte und wirkte fehl am Platz. Ein Statement der Entwickler zur Entwicklung ließ mich dann aufhorchen.

We have started this game at one of the game jams. The jam’s theme was „White Silence“. The first release of this project was titled „And Then There Were None“. It was just a simple platformer with 5 chapters. There were no bosses and just 3 endings.Few years later we’ve got a chance to release the game on Steam. But there was a free version of this game already! We had to improve the game to bring to the players a new experience. We decided to add bosses, new locations and a whole new chapter. All of this was oriented to reveal all the storyline of the game to the players.

Entwickler Statement

Vom Game Jam zu Steam

Gestartet als ein Game Jam Spiel musste es erweitert werden, damit es kostenpflichtig auf Steam gebracht werden konnte. Das bedeutete für Cold Silence, dass mehr Umfang, mehr Enden und Bosskämpfe hinzugefügt wurden. Nicht weil es das Spiel brauchte, sondern um den Umfang zu erhöhen und genau damit ist das Spiel gescheitert. In dem Spiel bräuchte ich keine Kämpfe und mehrere Enden. Gebt mir ein sauber ausgearbeites Spiel, in dem die Idee des Anfangs konsequent ausgebaut wird. Hier wurde versucht mehr einzubauen und es fühlt sich gestückelt an.

Ein beeindruckendes Beispiel, dass mehr Umfang und Mechaniken noch kein besseres Spiel machen.

Der Umfang

6 Kapitel bietet das Spiel und teilweise mit Backtracking. Von den 6 kapiteln habe ich im vierten abgebrochen. Bis dahin waren es vielleicht 1,5 Stunden Spielzeit und nur der Anfang hat mir wirklich Spaß gemacht. Das Spiel ist mit 2€ auf Steam (aktuell im Sale) und 5€ auf der Playstation nicht teuer, aber trotzdem zu wenig Spaß für das Geld.

Sollte dem Spieler das Spiel zu schwer oder zu leicht sein, kann er mit einem der 5 Schwierigkeitsgrade noch feinjustieren. Leichter gibt mehr Leben und schwerer wird es durch weniger Leben und Heilung. Auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad bleibt nur noch ein Lebenspunkt, es gibt keine Heilung mehr und mehr Gegner. 

Fazit zu Cold Silence

Leider erfüllt das Spiel nicht meine Erwartungen. Gerade nach dem Einstieg hatte ich einen deutlich spannenderen Ablauf erwartet. Horror ist nur zu Beginn spürbar gewesen und es flachte danach stark ab und der Frust über die Mechaniken stieg.

Sehe ich mir die Steam Seite von Saint Heiser an, dann sieht man eine ganze Palette an Pixel Optik Plattformern und alle zu niedrigen Preisen. Keines davon werde ich noch ausprobieren und ich rate auch vom Kauf ab. In der Form funktionierte das Spiel für mich nicht. Zu sehr macht es den Eindruck, dass hier Mechaniken zusammengesetzt worden, ohne sie aufeinander abzustimmen.

Hier fehlte es an einer Vision für das Spiel, auf der alles einheitlich basiert. Das lieblos vorgesetzte kleine Tutorial passt auch dazu. Allgemein über Tutorials habe ich hier etwas geschrieben: Zum Artikel

Für Cold Silence rate ich dringend vom Kauf ab. Seht es euch in einem Video an und das reicht dann auch.

Die Bilder stammen aus der Playstation Fassung und wurden von mir in meinem Spieldurchgang aufgenommen.

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